Was versteht man unter Sarkasmus?
Wer sarkastisch ist, polarisiert. Wenn man versucht, mit Hilfe anderer, herauszufinden, was mit Sarkasmus gemeint sei, stößt man immer wieder auf Worte wie Spott, Ironie oder Zynismus.
In der Tat sind diese gängigen Einstufungen nicht ganz weit her geholt, wenn man an die Ableitung des altgriechischen Wortes sarkazein denkt. Es bedeutet wörtlich, 'sich das Maul zerreißen, jemanden verhöhnen oder zerfleischen'. In Anbetracht dieser Tatsache erklärt sich natürlich die polarisierende Wirkung des Sarkasmus. Wer sarkastisch ist, wird auch als taktlos empfunden. Andere wiederum erkennen die Komik einer sarkastischen Aussage und können sie aufgrund dessen richtig einordnen.
Dafür sind gewisse Gehirnvorgänge erforderlich und israelische Forscher haben herausgefunden, dass nicht jeder Sarkasmus verstehen kann (siehe das Fachmagazin "Neuropsychology" ,Bd. 19, S. 288). Demnach kann nur derjenige, der sich in den vermeintlichen Spötter hineinversetzen kann, die Bedeutung einer sarkastischen Aussage richtig deuten. Wenn jemand unerfahren im Erkennen von sozialen Situationen ist oder z.B. auch, wenn er eine Beschädigung an den vorderen Gehirnlappen hat, neigt er dazu, die Aussage auf sich zu projizieren und fühlt sich schnell provoziert.
Das sind nur zwei der Gründe, warum diese Art der Ansprache oft missverstanden wird. Oft liegt es auch daran, dass der Begriff Sarkasmus mit den oben genannten Worten wie Spott, Ironie und Zynismus in Verbindung gebracht wird.
Wo liegen die Unterschiede?
Ironie wird oft als die milde Form des Sarkasmus angesehen. Dabei wird nicht beachtet, dass Ironie lediglich ein Mittel des Ausdrucks ist. Sarkasmus hat aber eine Aussage, und ist dabei nicht auf das Mittel der Ironie beschränkt. Spott wiederum hat nicht nur eine Aussage, sondern verfolgt mit dieser auch die Absicht, jemanden zu verletzen. Sarkasmus ist im Gegensatz dazu oft subtiler oder doppeldeutiger. Hinter Spott steckt ein Gedanke, und diesen kann ja bekanntlich nur jeder selbst einschätzen. Deshalb erkennt nur der Spötter selbst, ob seine Aussage als Spott zu bezeichnen ist.
Was diese beiden Begriffe gemeinsam haben, ist, dass derjenige, der sich solcher Methoden bedient, weniger Angriffsflächen bietet, als derjenige, der sich sachlich mit dem Thema beschäftigt hat. Der Zyniker zeigt seine Verachtung, die er gegenüber gewissen Normen oder sogar zentralen Moralvorstellungen hat, u.a. dadurch, dass er diese herabsetzt und sie als lächerlich hinstellt.
Hier wird aber eine Lebensanschauung beschrieben, während Sarkasmus sich nur auf die Aussage an sich bezieht und nicht auf eine Weltsicht. Die Unterschiede mögen also, ebenso wie der Sarkasmus selbst, sehr subtiler Natur sein. Sie sind es trotzdem wert, herausgestellt zu werden.

